Programmübersicht 2017 / 2018

img
andras-schiff
Sir András Schiff – Klavier

Sir András Schiff

 

 

 

Donnerstag, 21. September 2017 · 20.00 Uhr
Alte Oper Großer Saal

In Kooperation mit der Alten Oper Frankfurt

Im Rahmen des Musikfest Fremd bin ich …

19.15 Uhr Konzerteinführung mit Musikbeispielen durch Christian Kabitz im Großen Saal (Dauer: ca. 20 Minuten) für alle Konzertbesucher.

 

Sir András Schiff Klavier

Johann Sebastian Bach Capriccio sopra la lontananza del suo fratello dilettissimo B-Dur BWV 992
Ludwig van Beethoven Sonate Nr. 26 Es-Dur op. 81a – „Les Adieux“
Béla Bartók Sonate Sz. 80
Leoš Janáček 1.X.1905 – Z ulice dne 1. řijna 1905 – (Sonate fur Klavier)
Franz Schubert Sonate Nr. 19 c-Moll D 958

 

Dem großen Friedrich Hollaender verdanken wir unzählige Songs, Couplets und UFA-Schlager. In einem seiner schönsten Lieder heißt es: „Abschied nehmen mit Musik tut nur halb so weh“. Vielleicht hat Sir András Schiff daran gedacht, als er sein Programm für das Musikfest 2017 in der Alten Oper entworfen hat. Die ganze Bandbreite vom kurz-fröhlichen „Bis bald“ bis hin zur schmerzlichen Trennung des endgültigen Abschieds ist gepackt in ein drei Jahrhunderte umfassendes Klavierkompendium.

Bei Beethovens Sonate Es-Dur hat sich das „Les Adieux“ als Titel eingebürgert; belegt ist die Flucht der kaiserlichen Familie 1809 aus Wien vor den herannahenden französischen Truppen. Beethovens enges Verhältnis zum Erzherzog Rudolf, seinem Schüler, Freund und Förderer war Anlass für diese „Namens-Sonate“, deren drei Sätze er mit „Lebewohl“, „Abwesenheit“ und „Wiedersehen“ betitelt hat. Die überschäumende Freude über die glückliche Heimkunft gibt Beethoven Anlass für einen vivacissimamente zu spielenden 6/8-Satz, in dem sich laut Edwin Fischer „der Erwartende dem Rückkehrenden an die Brust wirft. “

Auch Bach musste Abschied nehmen – sein Bruder Johann Jacob hatte sich verpflichtet, als „Hautboist“ in die Garde des Schwedenkönigs Karl XII. einzutreten. Und auch Bach gibt den Sätzen seines Capriccios thematische Überschriften. Zuerst versucht man, den Jungsoldaten von seinem Vorhaben abzubringen, dann schildert man ihm eindringlich, was alles Schlimmes passieren könne, im dritten Satz wird geklagt, im vierten das „Adieu“ gesungen und schließlich hört man den Kutscher auf seinem Posthorn zum Aufbruch blasen. Eine launige Fuge beschließt Bachs einzige „Programm-Komposition“.

Auch Béla Bartóks Klaviersonate ist ein Abschied – wie ein archetypischer Gewaltmarsch bricht sie über den Zuhörer herein und kündet vom radikalen Schnitt, den er 1926 vollzogen hat, um ein neues Kapitel in seinem Komponierstil aufzuschlagen. Janáček hingegen widmete seine Sonate dem in Brünn am 1. Oktober 1905 während einer politischen Kundgebung getöteten Arbeiter František Pavlik. Diese düstere Totenklage mit ihrem schroffen Klaviersatz und ihren schneidenden Fanfaren ist ein endgültiges Abschiednehmen und kennt kein Wiedersehen.

Franz Schubert ist zentraler Komponist des Musikfestes; deshalb beschließt auch die in seinem letzten Lebensjahr 1828 entstandene Sonate c-Moll dieses Programm. Man rätselt, ob Schubert von seinem nahen Ende gewusst hat und dieses Werk ein persönliches Adieu an die Nachwelt darstellt. Unstrittig ist, dass diese Sonate nicht nur in düsteres Moll getaucht ist, sondern sich immer wieder die zarte Blume Hoffnung in Dur zeigt. Und das vermag letztlich Musik: Mit ihr tut das Abschiednehmen nur halb so weh …