Programmübersicht 2017 / 2018

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Julia-Lezhneva
Julia Lezhneva – Concerto Köln

Julia Lezhneva

 

 

 

Montag, 13. November 2017 · 20.00 Uhr
Alte Oper Großer Saal

In Kooperation mit der Alten Oper Frankfurt

19.15 Uhr Konzerteinführung mit Musikbeispielen durch Christian Kabitz im Albert Mangelsdorff Foyer (Dauer: ca. 20 Minuten) für die Mitglieder und Abonnenten der Frankfurter Bachkonzerte e.V., für die Abonnenten der Bachreihe sowie für die Freunde der Alten Oper.

 

Julia Lezhneva Sopran
Concerto Köln

VIVALDI UND DRESDEN
Arien aus Opern von Carl-Heinrich Graun und Concerti von Antonio Lucio Vivaldi

 

Selbst beim intensivsten Studium der Biographie Vivaldis wird man vergebens auf Hinweise stoßen, dass der Maestro aus Venedig irgendwann glückliche Tage an der Elbe verbracht hat. Vielleicht wäre es ihm in Dresden besser ergangen als in Wien, wo er 1741 einsam und verarmt gestorben ist. Denn seine Kunst faszinierte nicht nur ganz Italien, sondern auch die sächsischen Musikzentren, seine Concerti revolutionierten den Geschmack einer Generation, sie waren Vorbild unter anderem auch für Johann Sebastian Bach, der zudem mehrere Werke Vivaldis für die Orgel und das Cembalo bearbeitet hat.

Und da gibt es noch eine Verbindung: Selbst in Venedig, der Hauptstadt der Musik, galt die Dresdner Hofkapelle mit ihren 40 festangestellten Musikern als das beste Orchester Europas. Konzertmeister dort war seit 1728 der hochbegabte Geiger Johann Georg Pisendel, der bei Vivaldi in Venedig studiert hatte und ihm in tiefer Freundschaft verbunden war. Mehrmals erhielt er von seinem großen Lehrer Concerti „per l‘orchestra di Dresda“ zugeeignet, auch acht Violinsonaten sind ihm gewidmet.

Zwei dieser Konzerte und eine Arie werden Concerto Köln und Julia Lezhneva von Vivaldi erklingen lassen, womit das Thema „Dresden“ aber noch nicht abgeschlossen ist, denn auch Johann Adolf Hasse – Hofcapellmeister dortselbst – und der schon erwähnte Pisendel werden mit jeweils einer Sinfonia sich hören lassen.

Der Löwenanteil des spannenden Programms allerdings spielt nicht in Dresden, sondern in Berlin, und den bestreitet die Starsopranistin Julia Lezhneva mit Carl-Heinrich Graun. Dieser umtriebige Komponist, Sänger, Intendant und Dirigent beherrschte für zwanzig Jahre das Musikleben Berlins. Seine Musik traf den Geschmack Friedrich des Großen, der ihn zu seinem Generalmusikdirektor machte; ihm wurde deshalb auch die Ehre zuteil, 1742 die neuerbaute Lindenoper zu eröffnen.

In fünf Arien beweist Julia Lezhneva, dass Graun ein völlig zu Unrecht vergessener Opernkomponist ist. Seine Schreibweise ist auf Höhe aller italienischen Kollegen, übertrifft mit der Idee des Ensemble-Gesangs Händel bei weitem und weist schon auf den jungen Mozart. Natürlich hat er seinen aus Italien nach Berlin verpflichteten Koloraturgöttinnen die passenden Gusto-Arien auf den Leib geschrieben. Man darf sich auf ein furioses Feuerwerk freuen und als alternativen Titel statt „Vivaldi und Dresden“ jetzt „Graun und Berlin“ nennen!

Concerto-Koeln
Concerto Köln