Programmübersicht

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Johannes-Passion – BWV 245

Halbszenische Aufführung

 

 

 

Dienstag, 09. April 2019 · 20.00 Uhr
Alte Oper Großer Saal

In Kooperation mit der Alten Oper Frankfurt

Im Rahmen des Fokus Sir Simon Rattle

19.15 Uhr Konzerteinführung durch Christian Kabitz im Mozartsaal für alle Konzertbesucher.

Camilla Tilling Sopran
Magdalena Kožená Mezzosopran
Andrew Staples Tenor
Mark Padmore Tenor (Evangelist)
Christian Gerhaher Bariton
Roderick Williams Bariton (Jesus)

Choir and Orchestra of the Age of Enlightenment

Peter Sellars Regie
Sir Simon Rattle Leitung

Johann Sebastian Bach Johannes-Passion, BWV 245
Halbszenische Aufführung

 

Von eingefleischten Wagnerianern kann man angesichts von grassierenden Regie-Zumutungen des Öfteren hören, die Musik des Bayreuther Meisters genieße man am Besten in konzertanten Wiedergaben. Als John Neumeier die Bachsche Matthäus-Passion in Hamburg als Ballett-Event präsentierte, schrieb der Kritiker der ZEIT, zum Glück könne man ja die Augen schließen.

Als gäbe es nicht Opern genug, an denen sich unternehmungslustige Jung-Regisseure austoben können, warten die Spielpläne der Musentempel zwischen Aachen und Zürich mit Händels Messias, Bachs Kantaten, Oratorien und Passionen sowie den Requien von Brahms, Fauré und Verdi auf, obwohl die Komponisten sicher an alles Mögliche gedacht haben, nicht aber an eine szenische Wiedergabe ihrer Werke. Aber Intendanten schielen notgedrungen auf Zuschauerzahlen, und deshalb wissen sie, dass ein Weihnachts-Oratorium als komplette Oper sicher mehr Abonnenten ins Haus lockt als die hundertste Ausgrabung einer Opera seria von 1665 …

Peter Sellars und Sir Simon Rattle müssen sich bestimmt nicht mehr um Zuschauerzahlen kümmern; deshalb können wir ganz sicher davon ausgehen, dass ihre szenische Fassung der beiden Bachschen Passionen zutiefst künstlerische Gründe hat.

Nun hat die Johannes-Passion anders als die nach Matthäus die größere dramatische Wucht; gedrängt ist die Handlung, schlagkräftig sind die Turba-Chöre und zupackend die Arien. Schwierig in jeder Visualisierung der Handlung ist die Rolle des Chores: Einerseits muss er den prügelnden Pöbel spielen, der spöttisch fragt: „Wer ist’s, der dich schlug?“ – um dann in der nächsten Sekunde als betroffene Gemeinde im Choral zu fragen: „Wer hat dich so geschlagen?“ Was auf der Bühne schwer zu realisieren ist, umschifft der Theater-Visionär Sellars genial, weshalb er sein Herangehen an diese Aufgabe auch als „Ritualisierung“ bezeichnet. Der Graben zum „Oberammergauer Passionsspiel mit Bachscher Musik“ also ist riesig, und die Riege fantastischer Solisten, die schon 2014 in Berlin mit dabei waren, garantiert zwei musikalische Sternstunden. Und wir sind ganz sicher: die Augen bleiben offen …